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7 Tage auf dem Weg zu Gott

Aktualisiert: 11. Sept. 2021

Von der Einsamkeit und der Begegnung mit mir selbst


Heute wird es sehr persönlich. Ich möchte dir eine Geschichte erzählen. Eine Geschichte die mich aufgebaut und mir innere Ruhe gegeben hat. Es ist eine Geschichte, die ich vor gut 10 Jahren erlebt habe.


Damals hatte ich einen nicht ganz alltäglichen Job. Ich war als Ton- und Lichttechniker auf einem Kreuzfahrtschiff unterwegs, knappe 3 Jahre lang, fast ununterbrochen. Das war eine schöne, intensive, aber auch anstrengende Zeit. Diese Zeit hat mir viel abverlangt. Wer schon einmal auf einem Kreuzfahrtschiff gearbeitet hat weiß das. Zunächst ist alles neu und aufregend. Man kann viele neue Eindrücke sammeln, viele Menschen kennen lernen, viel lernen und ab und zu, wenn man ein paar Stunden frei hat, auch etwas von der Welt sehen.


Bei vielen Jobs, die es auf einem Schiff gibt, gibt es einen großen - ich sage mal - Nachteil. Man ist rund um die Uhr im Dienst. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Einige halten das nicht durch, steigen schnell wieder aus und kommen nicht wieder. Dazu muss ich sagen dass es bei den meisten Jobs an Bord Zeitverträge gibt. So ein Vertrag dauert meistens 4-6 Monate. Wer nicht für das Arbeiten auf einem Schiff gemacht ist muss diese Zeit durchziehen und darf dann gehen.

Viele allerdings habe ich in meiner Zeit immer wieder gesehen, wenn sie einen neuen Vertrag angetreten haben. Ich spreche hier von allen Jobs die es im Bereich Gastronomie und Hotel, also Restaurant, Bar, Housekeeping oder auch an Deck im öffentlichen Bereich gibt, sowie alles was zu Bereich Elektrik, Maschine usw. gehört. Von den Besatzungsmitgliedern aus diesen Bereichen sind viele in Mehrbettkabinen untergebracht (das heißt: Privatsphäre = 0), bekommen ihr Essen in der Crew-Kantine und dürfen in Ihrer Freizeit meistens nicht in die Passagierbereiche.





Zu meinem Vorteil gehörte, dass ich in keinem dieser Bereiche tätig war. Als einziger Veranstaltungstechniker an Bord hatte ich als Privileg, wie auch die Künstler, den Passagierstatus. Somit durfte ich mich überall auf dem Schiff frei bewegen - im Passagier- und Crewbereich, ich durfte in den Gäste-Restaurants essen (wenn ich dazu gekommen bin etwas zu essen) und, wenn ich Zeit hatte, an Land gehen. Hierfür war allerdings nicht allzu viel Zeit - es war immer etwas zu tun: Proben, Vorbereitungen für die Show am Abend oder, was mir oftmals wichtiger war als ein Landgang: Schlafen. So lag ich mit großer Regelmäßigkeit auf meiner Kabine während meine Kollegen - also die Künstler mit denen ich zusammen arbeitete - draußen an Land waren.


Wer so etwas schon einmal Tagelang, Wochenlang, Monatelang Tag für Tag durchgezogen hat wird wissen wie sehr man in dieser Situation vereinsamen kann. Man ist die meiste Zeit für sich alleine. Natürlich kommt man mit Menschen in Kontakt mit denen man zusammenarbeitet, die man mag und schätzt. Mit der Zeit hat sich bei mir jedoch ein Gefühl der Einsamkeit eingestellt. Ich kann nicht genau sagen wann das geschehen ist, mit einem mal habe ich realisiert dass es so ist.

Da war ich nun - mitten auf einer Weltreise - und fühlte mich, trotz der vielen lieben und netten Menschen um mich herum, alleine. Das Schiff befand sich zu der Zeit in der Gegend von Madagascar und es stand mir eine lange Überfahrt über dem Indischen Ozean in Richtung Australien bevor.


Zu Beginn dieser Etappe über den Ozean hatte ich, ich denke es war um mich abzulenken, immer meinen mp3-Player dabei wenn ich abends vor bzw. nach der Show meine Runden über das Deck gemacht habe. Ich wollte das Geschehen um mich herum ausblenden und habe die Musik gehört die ich in der Zeit vor meinem Schiffs-Engagement gerne hörte. Die ersten 1-2 Tage waren diese Momente eine Art 'Normalität' für mich, da ich durch die Musik abschalten konnte und mich in die Zeit 'vorher' zurück versetzen konnte. Jedoch hielten diese 'Gedanken' nicht lange an und ich suchte auf meinem Player nach anderer Musik, nach etwas Abwechslung.

Schließlich fand ich, nach einigem suchen in meiner Musiksammlung, eine Aufnahme von Michael W. Smith, einem Amerikanischen Worship-Sänger (Christliche Musik) von dem ich mir einige Jahre zuvor einige Aufnahmen besorgt habe.


Mir war gar nicht mehr bewusst dass ich diese Aufnahmen damals mitgenommen habe als ich an Bord kam. Während des Hörens auf meinen Runden über das Deck erfüllte mich mit einem mal eine innere Ruhe die ich vorher nur selten erlebt habe. Ich war erstaunt über die Kraft, die mir diese Musik und diese Texte gaben. Ich suchte weiter auf meinem Player und fand noch Musik von anderen Christlichen Musikern und Bands.


Während der nächsten Tage stellte sich bei mir ein innerer Wandel ein. Hatte ich zuvor noch einen etwas 'grimmigen' Gesichtsausdruck bei meinen alltäglichen Deckrunden, legte sich jetzt sofort ein Lächeln auf meinen Mund wenn ich meine Musik hörte.

Das Schiff befand sich jetzt mitten auf dem Indischen Ozean, irgendwo zwischen Madagascar und Australien, und meine innere Einsamkeit begann sich zurückzuziehen. Es war erstaunlich. Der Platz, den die zurückziehende Einsamkeit hinterließ füllte sich mit Zufriedenheit und der Gewissheit dass ich nicht alleine bin. Während einer dieser Deckrunden fand ich mich mit mal in der Bordbibliothek wieder und suchte nach christlicher Literatur. Nun war dieses Schiff ein rein von deutschsprachigen Gästen besuchtes, jedoch fand ich außer Krimis, Thrillern und anderen Romanen nichts was in die von mir gesuchte Richtung ging. Bis mir in der obersten Reihe eines Regals eine Bibel ins Auge fiel. Sie sah staubig aus, so als ob sie lange Zeit niemand mehr in der Hand hatte.


Zurück in meiner Kabine fing ich an im Neuen Testament zu lesen. Geschichten aus vergangenen Zeiten. Ich habe diese Geschichten nie wörtlich genommen. Ich denke dass wir das auch nicht sollten. Es sind alles Hinweise auf das damalige Leben und Wirken von Jesus. Dass er für uns alle da ist, für alle Menschen. Er gibt uns Kraft und Stärke die Dinge zu überstehen die für uns teilweise ausweglos erscheinen. Er gibt uns die Sicherheit dass wir nicht alleine sind - er ist immer bei uns und passt auf uns auf. Auf jeden von uns! Mir hat diese Erkenntnis damals einen tiefen inneren Frieden gegeben. Und die Zuversicht: Ich bin nicht alleine! Er ist da, immer, überall!

Am nächsten Tag, auf meiner nächsten Deckrunde, hatte ich plötzlich das Gefühl dass jemand neben mir herläuft und kurz meine Hand berührt. Ich drehte mich um, aber da war niemand. Das Deck war leer. Mit einem Lächeln auf den Lippen, einem kurzen Nicken und einem Blick in Richtung Weite des Horizonts ging ich meine Runde zufrieden weiter.



Auch meine Kollegen bemerkten eine Veränderung bei mir. Öfters wurde ich von den Reiseleitern und Künstlern angesprochen ob alles in Ordnung sei, ich sähe so verändert aus. Offensichtlich hat diese Wandlung, diese innere Zufriedenheit, auch auf meine äußere Erscheinung abgefärbt.



Nach insgesamt 7 Tagen auf See erreichte das Schiff die Westküste von Australien. Noch eine Woche zuvor hätte ich nicht damit gerechnet was auf dieser Überfahrt mit mir passieren würde - wie sich meine innere Einsamkeit zu einer inneren Zufriedenheit wandelt. Ich wünsche jedem der sich innerlich einsam fühlt eine ähnliche Erfahrung. Manchmal ist eine Kleinigkeit der Ausschlaggebende Punkt für eine riesige Veränderung. Bei mir war es die Musik eines Künstlers die mich auf diese besondere Reise geführt hat. Bei anderen mag es ein Bild oder ein Buch oder etwas ganz anderes sein.

Haltet die Augen offen - dann seht ihr bestimmt eure Zeichen die euch auf euren ganz eigenen Weg bringen.


Mein Weg ist jetzt gut 10 Jahre her - und er ist noch nicht vorbei. Von Zeit zu Zeit erinnere ich mich an meine Erlebnisse von damals. Und jedes mal erfüllt mich wieder diese innere Zufriedenheit die ich seit damals habe. Manchmal mehr - manchmal weniger. Und das ist gut so. Wenn meine innere Zufriedenheit nachlässt zieht es mich automatisch zu christlicher Musik und Büchern. Und dann kommt es wieder, dieses Gefühl nicht alleine zu sein...

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